Sonntag, 28. September 2008

Am Balkan schrieben sie zuerst

Artikel von Colette M. Schmidt in: DER STANDARD, 6./7. 9. 2008
auf: sonnengoettinnen.de

Im heutigen Serbien, Bosnien, Rumänien und im südlichen Ungarn florierte im sechsten Jahrtausend die Vinèa-Kultur: Wissenschafter glauben heute, dass sie die erste Schrift entwickelte - schon vor den Sumerern

Am Anfang war bekanntlich das Wort - zumindest in der Schöpfungsgeschichte der Bibel. Irgendwann wurde das Wort auch zur Schrift, und zwar - so weit sind sich die meisten Wissenschaftler heute einig - immer in Verbindung mit Religionen, mit rituellen Handlungen. Es waren nicht große Schlachten, von denen zu erzählen war, nicht Gesetze, die es niederzuschreiben galt, und schon gar keine Lyrik, die auf ihre Verse wartete, die Menschen zuerst dazu brachte, erste Schriftzeichen zu entwickeln. Es war der Glauben an diverse Götter und Göttinnen und schließlich die "Verwaltung" dieses Glaubens. Vor allem in theokratischen Systemen, wo mächtige Priester ähnliche Aufgaben wie Beamte erfüllten. Die Kenntnis von Schrift war für sie auch Machterhaltung. Und ohne Schriften hätten sich Hochkulturen niemals so entwickeln können, wie sie es taten: Sämtliche Naturwissenschaften wären ohne die Möglichkeit von Aufzeichnungen undenkbar.