Sonntag, 27. Juli 2008

Bio-Bionade

Nicht erst die Bionade GmbH bzw. ihre Werbe­agentur Kolle Rebbe hat entdeckt, dass sich Nahrungsmittel dafür eignen, eine vermeintliche kulturelle und nationale Einheit zu stärken. Das wusste schon Hindenburg, als er, um den deutschen Bauern zu mehr Absatz zu verhelfen, den Slogan prägte: »Der Patriot isst Roggenbrot!«



Fastfood und Cola sind amerikanisch, dunkles Brot und Bionade sind deutsch. Die Nationalisierung des Einkaufs- und Konsumverhaltens hat in Deutschland bereits eine lange Geschichte. Den bösen Gegenentwurf, auf den all das projiziert wird, was man ablehnt und doch selbst reproduziert, verkörperten die USA bereits vor 80 Jahren. Heute stehen im Genussmittelbereich McDonald’s und Coca-Cola exemplarisch für die schlechten Seiten des Kapitalismus.



Bionade dagegen ist gut. Bionade ist bio. Sie ist regional, sie ist von hier! Wenn sich die Bionade GmbH schweren Herzens doch einmal kapi­talistischer Handlungsweisen bedienen muss, so nützt das dem Standort. So wird Bionade nicht nur von McDonald’s, sondern auch vom Lieblingsfeind Coca-Cola vertrieben. Warum sollte es auch verwerflich sein, ein gutes deutsches Bio-Produkt »oben mitspielen« (Kowalsky) zu lassen? In der Umgebung von Kindergärten weiß man es: Selbst »Cola würde ihren Kindern Bionade kaufen«.



Dass der Werbekampagne eine 33prozentige Preiserhöhung vorausging, muss reiner Zufall sein.