Samstag, 7. Juni 2008

Wir leben in wütenden Zeiten. Umso dankbarer bin ich Künstlerinnen wie Kate Bush, die in manchen ihrer Lieder so unendlich viel Verletztheit, Wut, Trauer, abgrundtiefe Trauer ausdrückt. Nichts hat mich in den vergangenen Tagen mehr berührt, nichts hat mir mehr geholfen als diese Lieder. Und es war da ein Blick. Ein Blick, der so viel sagt denen, die verstehen.


Ich lese gerade noch einmal Fritz Perls, Wiedergefundenes aus seiner Mülltonne, wie er es liebevoll nannte. Ich lese und höre, wie Menschen den Mut gefunden haben, öffentlich ihre Gefühle zu zeigen, sie zur Verfügung zu stellen im guten Sinne des Wortes.














Was aber geschieht, wenn Gefühle getötet werden, Hass sich in Masken und Rollen kleidet, sich hinter Mikrofonen versteckt, wenn Schweigen die Eintrittsbedingung wird für das große Gemeinsame?


Ich hatte dir vor einigen Monaten einen Traum erzählt und du hast deine Rolle wie immer gut gespielt. Hast mich öffentlich als verrückt und wahnhaft bezeichnet, während Ton und Bild lief.
Erinnerst du dich? Mein Traum, den ich dir erzählte? Vorsichtig, fast zaghaft fragte ich dich zuerst, seit wann du Probleme mit deinen Lungen hast. Ich zögerte. Wußte nicht, ob ich weiter sprechen sollte. Nicht fragen, nichts sagen. Das war fast so etwas wie ein stillschweigendes Übereinkommen zwischen uns geworden. Trotzdem wagte ich immer wieder den Versuch. Auch wenn ich wußte, dass es vergeblich war. Du reagiertest knapp und unwirsch.
"Warum?"
"Weil ich diese Nacht einen Traum hatte. Es war so deutlich. Ein großes Becken, randvoll gefüllt mit klarem Wasser. An der Seite stand eine schwarzhaarige Frau und blickte auf den Grund des Beckens. Ich sah dich in diesem Traum auf dem Boden des Beckens liegen. Du warst tot. Ertrunken. Und ich habe mich selbst gesehen. Ich lag neben dir, schwer atmend, kurz davor, zu sterben. Dann erwachte ich."


Erinnerst du dich an den Namen, den ich dir damals nannte? Den Namen Blue Bird? Erinnerst du dich? Wir saßen beim Chinesen am Tisch. Es war ein Freitag.


So, wie es deine Aufgabe war, mich als unheilige Hure zu behandeln, so hast du mich gedemütigt in diesem Moment mit den Worten, es sei jetzt endlich an der Zeit für mich, über eine Behandlung nachzudenken. Du hattest schon einmal versucht, mir Geld anzubieten. Als ich ablehnte, hast du versucht, meine Wahrnehmung als Ausdruck einer Verrückten zu deuten. Und sie gleichzeitig bestätigt. Als ich ging, hast du mich zurückgeholt. Wieder und wieder. Und auch ich habe dich nicht gehen lassen.
Du hast meine und deine Rolle verkauft. Verkauft an die, die zuhörten, verkauft an die, die vielleicht noch Hoffnung haben, dass alles ganz anders ist. Verkauft an die, die sich darüber im klaren sind, dass sie das große Zuneigungsspiel vor der Kamera spielen. Verkauft an andere Spieler, Schreiber, Kostümwechsler, Magier der Lüfte. Regenmacher.


Wie viele Verletzungen kann jemand ertragen, wie viel Wut und Hass unterdrücken, bis er reagiert? Wann schlägt jemand zu? Im Regen ertrinken die Gefühle der Kinder Gottes. Doch dann sind es nur noch tote Kinder.