Samstag, 12. April 2008

Luxus Lebensmittel

Wir haben hier in Deutschland erste gute Ansätze in der Versorgung von zertifiziert ökologischen Lebensmitteln. Discounter wie Aldi beispielsweise liefern Öko-Lebensmittel, kleine Rückschritte wie die Rücknahme von Bio-Kartoffeln aus dem Sortiment leider inbegriffen. Es ist also immer mehr möglich, sich gut und gesund zu ernähren, auch wenn kaum Geld da ist.
Dass diese Möglichkeit nicht immer dort genutzt wird, wo sie dringend gebraucht wird, steht auf einem ganz anderen Blatt. Und muss dort auch bearbeitet werden. Genauso bearbeitet werden muß der Einfluss sogenannter Ernährungsexperten, die in letzten Jahren dafür gesorgt haben, dass die lokale Versorgung weltweit an Bedeutung verlor. Wer hierin nur eine Idealisierung von kleinbäuerlichen Lebensverhältnissen sieht, erinnert sich doch bitte schön an die Folgen sozialistischer Zwangskollektivierungs-programme und die Folgen für die ehemaligen Bauern und die Ernährungssituation der Bevölkerung.
Die hoch subventionierte Landwirtschaft der Großagrarier hat im Westen die Nachfolge dieser Zwangskollektivierung angetreten nicht nur mit der Folge einer Entfremdung von der Natur und dem Fehlen von Kenntnissen einer hochkomplexen Nahrungskette, die Nahrungsmittel als das betrachten, was sie sind: Ein achtenswertes Gut der Schöpfung, die das Fundament für jede Gemeinschaft bilden.
Und das Argument "Armes Afrika", welches unter der Einführung von Öko-Lebensmitteln leidet? Ist ein ziemlich kulturchauvinistisches. Die Versorgung von lokaler Vielfrucht-Bewirtschaftung wurde zerstört zugunsten einer am Weltmarkt orientierten Monokulturwirtschaft. Ein Beispiel für die Interessenlage sogenannter afrikanischer Ernährungsexperten ist hier gut beschrieben: "Die Identität und Legitimität stiftende nachholende Industrialisierung ging wie in den meisten Fällen zu Lasten der Landwirtschaft, und durch Ausweitung des staatlichen und parastaatlichen Wirtschaftssektors vergrößerte die Staatsklasse ihre Renteneinkünfte."

Ich finde bei aller Kritik an Sepp Holzer diesen Satz von ihm sehr sinnvoll: Jeder "Erdenbürger" hat ein Anrecht, von Geburt aus, auf ein Stück Erde. Eine Landreform, die dies berücksichtigt ist längst überfällig.