Donnerstag, 27. März 2008

Living for Change

"Wir müssen die Welt nicht erobern. Es reicht, sie neu zu erschaffen. Durch uns. Heute."


"Hannah Arendt sagt, dass das "Wunder der Freiheit" darin besteht, dass Menschen Prozesse unterbrechen und einen Neuanfang machen koennen. Jede Krise ist Niedergang und Erneuerung. Am Anfang des Sammelbands dokumentieren zwei Berichte ueber lokale und nachbarschaftsbasierte Initiativen in Detroit, einer Stadt auf dem Tiefpunkt industrieller und sozialer Zerstoerung, diese Freiheit in einer Weise, die unter die Haut der Zeit geht. Neuanfaenge von Menschlichkeit und Sozialem entstehen, indem Jugendliche in sichtbare Projekte einbezogen, oeffentliche Raeume z.B. durch Kultur wiederangeeignet und humane Beziehungen zwischen Menschen und zur Natur wiederhergestellt werden."



Living for Change
Grace Lee Boggs


"Sogar dem FBI fiel es schwer, Grace Lee Boggs einzuordnen. Es müsse sich um eine "Afrochinesin" handeln, vermerkte ein Agent in einer Akte aus den 50er-Jahren über die Philosophin und Bürgerrechtsaktivistin, auch wenn sie "nicht wirklich" danach aussehe. ("Radieschen ernten in Detroit")

"Die Fabriken stehen leer, die Bevölkerung läuft davon. Die Behörden der Autostadt Detroit setzen auf Events und Fassadenrenovation. Pokern in der Geisterstadt

Was hat man der Stadt nicht schon für Schimpfwörter angehängt: «Dritte Welt des Westens», «Schrumpfstadt», «Mörderstadt». Detroit, der Arbeiterstadt im US-Bundesstaat Michigan, sind die Fabriken abhanden gekommen. Die besser gestellte Bevölkerung zieht in die Vororte, während eine zunehmend ärmere Schicht zurückbleibt. Der Stadt schwinden die Steuereinnahmen, die Strassen verkommen, die Schulen schliessen, dutzende Geschäftshäuser in der Innenstadt stehen leer, und in vielen Wohnquartieren regieren Gangs zwischen verlotterten und verlassenen Bruchbuden ("Pokern in der Geisterstadt").



"Dieses regte die Detroit Growers Support Group an, sich zum Detroit Agricultural Network umzuwandeln mit dem Ziel, die Landwirtschaft in all ihrer Vielfalt zum integralen Bestandteil der Wiederbelebung Detroits zu machen. Dies sollte möglich werden, in dem eine Ökonomie geschaffen wird, die Prioritäten für die Nahrungssicherheit aller Menschen und die ökologische Wiederherstellung der Stadt setzt, und die zugleich Menschen wie Gemeinschaften aufbaut. Diese Aktivitäten brachte uns mit der Catherine Ferguson Academy in Kontakt, eine öffentliche High School für junge Mütter, mit einem Kinderhort für ihre Kinder und einem Lehrplan, erstellt von Rektor Asenath Andrews und dem Naturwissenschaftler Paul Weertz, der Gartenbau, Obstbau, die Betreuung von Nutztieren und den Bau einer Scheune enthielt. Mit der Folge, dass 80% der Schülerinnen, meist Afro-Amerikanerinnen ein Studium aufnehmen anstatt die Schule vorzeitig zu verlassen."


Aus:
Dissidente Praktiken: Erfahrungen mit herrschafts- und warenkritischer Selbstorganisation, Stiftung Fraueninitiative