Sonntag, 23. März 2008

Radieschen im Schnee

Gefällt mir gut, was ich bis jetzt von Sepp Holzer gelesen habe, auch wenn seine beiden ersten Bücher in einem Verlag erschienen, der nicht ganz koscher ist und ich mal von seinem leicht patriarchal anmutenden Einschlag absehe: Was heisst und wer ist Familie?
Die Damen und Herren von der rechten Front verwursten ihn gerne auf ihren Seiten. Da fallen schon mal Sätze wie: Was nicht der Gemeinschaft dient, muss vernichtet werden. Nein, DAS ist nicht Sepp Holzer. Das sind nur ein paar weitere armselige Armleuchter. Schön auch seine Anekdoten über die anfänglichen Versuche, ihn mundtot zu machen. Angefangen hat er laut seinem Buch "Der Agrar-Rebell" schließlich damit, ohne Düngemittel zu arbeiten, nachdem ein Teil seiner Böden und die seiner Nachbarn nach einigen Jahren unbrauchbar und ausgelaugt waren. Später wurde er in Kolumbien gezwungen, ein eigentlich ganz einfach aufzubauendes Wasserversorgungsprojekt in einem Slum nicht weiter zu verfolgen. Man konnte ihm keinen ausreichenden persönlichen Schutz mehr gewährleisten. Die Gründe dafür deutet er nur an.
Ich kann verstehen, dass er heute gerne Gerichtsentscheide in seinen Büchern abdruckt.
Wer es im Garten oder auf dem Balkon einfach und effizient mag oder sich über seine weltweiten Projekte informieren will, der ist hier genau richtig.


Und wer einen Einblick davon haben will, mit welchen Mitteln und Methoden auch hier gekämpft wird, der lese diese Amazon-Rezension:

Es bleibt stets problematisch, wenn Bücher über Gerichtsverfahren geschrieben werden, die noch nicht abgeschlossen sind. Dass es ebenso problematisch ist, jemandem zum Guru zu machen, ist genauso offensichtlich, wie die Tatsache, dass die Kernkompetenz der Autorin keinerlei landwirtschaftliche Prägung besitzt.
Für mich ist auch der Unterhaltungswert des "Augenöffnens" eher beschränkt: die Lektüre Holzer's Bücher ist bestimmt um ein vielfaches unterhaltsamer und inhaltsreicher als dieses "Enthüllungswerk" einer "erfolgreichen Unternehmerin". Unsere Freiheit als Leser besteht ja auch darin, Holzer nicht zum "Guru" zu stilisieren (wie es der Autorin passiert ist), sondern auch Mollison, Holmgren, VOR ALLEM Fukuoka, aber auch Polaischer zu lesen und wie bei Holzer sich auszusuchen, was für einem wichtig ist: das wäre Mündigkeit. Die Autorin bestreitet ihren Lebensunterhalt jetzt mit Buchpräsentations-Reisen: wenn es ihr mit Permakultur ernst wäre, würde sie sich vielleicht besser um ihr Land kümmern und die Dinge anpflanzen die ihr selber (und nicht Holzer) wichtig sind.