Freitag, 21. März 2008

Die Kunst der (Ver)wandlung

Nicht alle Schamanen und schamanischen Hexen sind in den Genuss von Kubarks Counterintelligence geraten. Diese Thesen sind lediglich der Ausdruck rotbrauner stalinistischer Verschwörungsängste. Wir erinnern uns: Die Sowjetunion pflegte die Methode Ausrottung und Psychiatrisierung zur massenhaften Ruhigstellung und Gleichschaltung. Manche haben die Methoden der einen oder anderen Macht erlebt. Und überlebt. Gleichgültig, wer nun glaubt, die Hexenszene unterwandern zu müssen: Er wird sich wundern.

"Wir können festhalten: Der Schamane ist gerade dadurch charakterisiert, daß er in der Initiation die eigene destruktive Krise im synthetisch-konstruktiven Sinn überwinden konnte. Der Schamane ist durch seine schöpferische Begabung (Lommel 1974) fähig, selbst den Heilungsvorgang einzuleiten, ihm gelingt die Selbstüberwindung der Krankheit, er meistert die Anfalle und ihre Ursache. Die Selbstheilung ist die Initiation für die Fremdheilung. Das Überwinden der eigenen Desintegration, der Gewinn der Resynthese weihen ihn zum Heiler, legitimieren ihn als Medizinmann. Die eigene desintegrative Krise macht ihn zum Kenner der Krankheitsgeister, zum Beherrscher der Ekstase. Die Selbstheilung macht ihn zum Therapeuten. Daß Menschen mit solch außergewöhnlicher Begabung auch außergewöhnliche Lebenswege gehen, ist selbstverständlich. So muß der Schamane trotz und gerade wegen seiner wichtigen vielfältigen Funktionen in seiner Gesellschaft als ein Einzelner seinen Sonderweg gehen."