Mittwoch, 12. März 2008

Systematisch entmenschlichen

"Im Grunde erwies sich die "Dachauer Schule" als Initiationsritus, der die SS-Männer unempfindlich gegen ihre eigene Gefühle - und die Qualen der Gefolterten - machen sollte, der sie vor allem in die Gruppe der Täter integrieren sollte. Die gemeinsam begangenen Verbrechen schweißten die Gruppe zusammen.

Die Konzentrationslager-SS verschmolz allmählich zu einer auf vielfältige Weise verwobenen Gruppe. Persönliche Freundschaften, überhöht im Begriff der "Kameradschaft", und der gemeinsame verbrachte KZ-Dienst hielten sie zusammen. In der Gruppe bildeten sich ein eigener sprachlichen "Code" (die "Lagersprache") und spezifische Formen des Terrors, etwa das "Baumhängen", heraus.

Eine wichtige Funktion kam den Ehefrauen und Kindern zu, die in der SS-Siedlung des Konzentrationslagers meist in unmittelbarer Nähe des Schutzhaftlagers wohnten. In diesem abgeschotteten Kreis fand allmählich ein Umbau des Gewissens statt. Die Mitglieder der Konzentrationslager-SS empfanden im Laufe der Zeit Dinge als "normal", die außerhalb ihrer Welt weiterhin als barbarisch galten."