Freitag, 11. Januar 2008

Dort

Nachdem "Generation Blogger" erschien und wir in den Strudel der schönen neuen Blogwelt gerieten, wurden die Einträge immer kürzer, gerieten meine Kommentare in anderen Blogs viel zu oft zum Hahnen- und Hähnchenkampf auf offener Bühne. Ich sprang über jedes Stöckchen. Hoch. Noch höher. Am höchsten. Doch schließlich blieb nichts mehr von meiner jahrelangen Lust an der Wahl der Worte. Es gab keinen Freitagskommentar mehr. Nichts schien mich mehr bewegen zu können, meine eigenen Worte zu wählen. Oder doch: Hin und wieder schaffte es noch der eine oder andere Provokateur. Schaffte es die Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft. Nein, das ist natürlich Blödsinn! Schaffte es die Wut in meinem Bauch, wieder neue, wohl klingende Waffen zu finden. Doch irgendwann wollte ich auch das nicht mehr. Und schwieg. Zitierte lieber andere. Fotografierte manchmal willige Objekte, wohl wissend, dass nach den Phasen der Traurigkeit, der Depression, die Manie nur kurze kreative Phasen verschafft.
Und nun? Ich vermute, dass ich wohl nie in den heiteren Himmel der Gelassenheit aufgenommen werde, so sehr ich mir diesen Zustand auch wünsche. Manchmal. Immer öfter. Doch damit kann ich gut leben. Meistens. Damit leben, dass es dort, wo ich stehe, nicht jeden Tag so schön bunt und hell ist. Dass auf meiner Stirn nicht das Wort "Kochen", "Kunst" oder "Kultur" geschrieben steht. Und dass meine Muse mich nicht immer dann küsst, wenn ich sie so dringend brauche.